Au Backe, sehe ich das richtig? Das letzte mal schrub ich mitte Februar? Und in der Zwischenzeit ist schon wieder so viel passiert.
Da waren wir z.B. in Hebron und haben uns angeschaut, wie 200 sehr überezugte israelische Siedler inmitten einer der größten palästinensischen Städte wohnen. Ein sehr bitteres Kapitel aus dem großen Buch des Fanatismus...
Natürlich standen auch weitere archäologische Exkursionen auf dem Programm, diesmal mit Focus auf die Schefela. Daneben noch ein straffes Vorlesungsprogramm, das aber seit dem letzten Freitag beendet ist, so dass man nun wieder durchatmen kann. Offiziell sind wir jetzt auch in die absolute Freiheit entlassen, d.h. wir dürften auch schon abreisen, wenn wir das wöllten.
Das will ich aber natürlich noch nicht, denn Ostern in Jerusalem muss sein. zur Zeit platzt die Altstadt aus allen Nähten, da unzählige Pilger im Land sind. Dazu kommt, dass dieses Jahr das jüdische Ostern, das lateinische und das orthodoxe Osterfest auf ein und dasselbe Wochenende fallen.
So konnte ich am Gründonnerstag nach dem Gottesdienst, als ich gerade auf dem Weg nach Gethsemane war, noch die etwas putzige Situation erleben, wie auf der Straße, die von der südlichen Altstadt in die Neustadt führt, Scharen von Juden auf der einen Seite, die gerade von einer Pessachfeierlichkeit an der Klagemauer kamen, die vorbeiziehenden christlichen Pilgerhundertschaften auf der anderen Seite beäugten und andersherum.
Ich persönlich halte mich zurück mit Besuchen in der Altstadt, obwohl es etliche spannende Sachen anzusehen gäbe. Besonders die verschiedenen orthodoxen Denominationen haben in den Kartagen interessante Liturgien. Da ich aber als Scholasänger gut eingespannt bin bei den benediktinischen Liturgien, verzichte ich demütig ;-) auf das eifrige Liturgyhopping. Immerhin war ich gestern abend mal in der Grabeskirche, um mir die sehr volkstümlich Grablegungsprozession der Franziskaner anzuschauen. Da wird dann tatsächlich eine Jesusfigur in der Golgathakapelle vom Kreuz abgenommen, dann auf den Salbstein im Eingangsbereich einbalsamiert und in Leinentücher gelegt, um zum Schluss in der Grabesädikula symbolisch begraben werden. Diese sehr mimetische Art der Frömmigkeit ist beim besten Willen nicht die meine. Aber es gibt ganz viele Menschen, die sich so etwas mit Tränen in den Augen anschauen. Nun ja, "jeder nach seiner Facon", wie der alte Fritz zu sagen pflegte.
Heute nacht um drei steht eine knapp vierstündige Osternachtsfeier in der Dormitio auf dem Programm - Benediktiner lassen sich Zeit!! - und morgen das Hochamt.
Die Tage nach Ostern werde ich hier ganz gemütlich verbringen und nebenbei ein wenig packen.
Viele von euch seh ich dann in nicht mal mehr einer Woche wieder und dann hab ich hoffentlich viel Gelegenheit zu erzählen und Fragen zu beantworten.
Bis dahin wünsche ich euch eine gesgnete Osterzeit.
Lehitraot
Bene
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