Samstag, 2. Januar 2010

Jordanienreise 27. - 31. 12.



Hurz,
zunächst: Ein frohes neues Jahr.

Sodann komme ich meiner Pflicht nach, ein wenig von meiner Jordanienreise Ende des vergangenen Jahres zu berichten.
Gemeinsam mit meinen Kommilitonen Tobias und Max brach ich am sehr frühen Morgen des 27. Dez. mit dem Bus nach Bet Shean auf, um dort im hohen Norden Israels die Grenze nach Jordanien zu überschreiten. Von dort steuerten wir per Taxi (dekadenterweise haben wir uns die ganze Zeit mit dem Taxi rumkutschieren lassen, weil das in Jordanien so unglaublich billig ist (ein wenig Verhandlungsgeschick natürlich vorausgesetzt)) unseren ersten Ausflugsort Djarasch an. In Djarash befindet sich nämlich die am besten erhaltene römische Stadt außerhalb Italiens. Unter dem Einfluss Pompeius', später Trajans und Traian entwickelte sich Gerasa, wie es unter den Römern hieß, zu einer der wichtigen Metropolen in der Dekapolis, mit allem, was eine römische Stadt damals so brauchte: Hippodrom, zwei Theatern einem großen Cardo (entspricht nach römischem Städtebaudenken immer der Nord-Süd-Achse einer Stadt, die sich im Zentrum mit dem sog. Decomannus, der Ost-West-Achse schneidet), einem Zeus- und einem Artemistempel, Badeanstaltetc. pp. In späterer Zeit gesellten sich einige byzantinische Kirchen und wieder später eine Ummayyaden-Moschee dazu. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde Gerasa ausgebuddelt und nun können sich hunderttausende Besucher problemlos drei und mehr Stunden lang die Hacken wund laufen und kleine Racker, wenn sie alte Steine langweilig finden, mit großer Freude verstecken spielen.

 
 
 

Nachdem unsere Hacken wund gelaufen waren, setzten wir uns wieder ins Taxi und ließen uns nach Amman bringen, um dort festzustellen, dass es in den Hotels der Preisklasse 26 Dinare pro Nacht/Zimmer nur kaltes Wasser gibt und dass Amman recht eigentlich eine hässliche Hauptstadt ist, die außer einer römischen Zitadelle irgendwo auf dem Hügel nur massenweise stinkende Autos und wenig vernünftige Restaurants zu bieten hat. Erwähnenswert ist an dieser Stelle vielleicht noch, dass uns König Abdullah oder sein Vater Hussein (der den Friedensvertrag mit Yitzhak Rabin ausgehandelt hat) alle Nase lang und in den unterschiedlichsten Posen und Monturen freundlich zu lächelten, so als wollten sie uns sagen: Schön, dass ihr da seid und unsere Wirtschaft durch inflationäres Taxifahren und Fallafel essen (20 Pfenge das Stück!!!!) ankurbelt. Weiter so, Jungs!



Nach einer Nacht in einem Hotelzimmer, dass etwas aufdringlich nach Frisch-gestrichen roch, schwangen wir uns wieder ins Taxi und fuhren nach Madaba, der heimlichen Hauptstadt der Mosaiken, wo wir abermillionen Kirchenmosaiken bestaunten, unter denen das sogenannte Palästina-Mosaik das mit Abstand herausragendste (kann mir einer mal sagen, ob man das groß schreiben muss? Ich entschuldige mich übrigens bei allen, die sehr sensibel auf Rechtschreibfehler reagieren, für meine Bequemlichkeit, meinen eigenen Blog immerzu Korrektur zu lesen. Er hätte das sicherlich dringend nötig...) ist, weil es eine ziemlich exakte Darstellung dessen liefert, was man sich im 6. Jh. unter Palästina vorstellte.


Eine Fallafel und eine Taxifahrt später, standen wir auf dem Berg Nebo, dem Berg, von dem Mose aus das verheißene Land erblickte, kurz bevor er endgültig gen Himmel fuhr  (mit dem Taxi? der biblische Bericht gibt leider auch keinen Aufschluss über die Taxipreise, die man damals für eine Himmelfahrt löhnen musste, was sicherlich eine gute Argumentationsgrundlage für Taxipreisverhandlungen kommender Generationen gewesen wäre. Wat solls... zum Nachlesen: Dtn 32, 48 ff.). Oben angekommen hüpfte uns vor Freude das Herz, als wir einer rießigen Wolke gewahr wurden, die das gesamte Jordantal vor den Schnappschüssen unserer hart schuftenden Digiknipsen schützte.


Der nette Taxifahrer, der uns für einen eindeutig überteuerten Preis zum Nebo gebracht hatte, war so freundlich uns an seinenTaxifahrerkumpel aus Petra zu vermitteln. Dieser Taxifahrerkumpel hatte vormittags einen anderen Menschen von Petra nach Madaba gebracht und war so dankbar, dass er die 250 km lange Fahrt zurück nicht allein machen musste, dass er uns für sagenhafte 30 Dinare quer durchs jordanische Niemandsland nach Petra brachte.
Genauer gesagt, nach Wadi Musa, der kleinen Stadt, die unmittelbar an das sagenhafte Petra angrenzt, dass dem gebildeten Fernsehschauer aus Indiana Jones Teil 3 hinlänglich bekannt sein müsste. Am nächsten Morgen gingen wir zu Fuß dem Höhepunkt unserer Reise entgegen: jener zweitausend alten Felsstadt, die die Nabbatäer (vermutlich ein Kultur- und Handelsvolk aus dem arabischen Hinterland kommend) mit viel Geduld und handwerklichem Geschick in die faszinierende Felslandschaft des Ostjordanlandes hineingemeißelt hatten. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind fast alles Grablegen für nabbatäische Könige. Aber natürlich gab es auch in Petra, Tempel, Amphitheater (für 8000 Zuschauer), Cardo, Triumphbögen, byzantinische Basiliken und den ganzen Krempel, den man damals halt so brauchte, um sich wie ein glücklicher Großstädter fühlen zu können. Hier ein paar kleine Eindrücke, die kaum einen adäquaten Eindruck von diesem Weltwunder vermitteln können.

In der Schlucht (arab. Siq) läuft man eine halbe Stunde,
bevor man auf dieses Bild stößt:

 
Al Khazne Faraun (Schatzkammer der Pharaonen - so der Beduinenname,
der allerdings nicht ganz exakt ist, weil es hier nie Pharaonen gab) aus dem 1. Jh. v. Chr. Grabmonument eines berühmtern nabbatäischen Königs


Am anderen Ende des etwa 4m² großen Areales von Petra befindet sich dieses eindrucksvolle Grabmonument:

Ad Deir - Sowohl Grab, als auch Tempel,  als auch berühmter Pilgerort. In byzantinischer Zeit wohl auch als Kirche in Gebrauch


Blick auf die sog. Königswand mit vielen prominenten Königsgräbern


Das Amphitheater von Petra, das komplett in den Fels hinein gehauen wurde


Die fälschlicherweise als Cardo bezeichnete Säulenstraße. Mit Blick auf die Königswand.

Der Ausgang des Siqs und die Königswand von oben.


So schön kann es im Innern einer Grablege aussehen, muss es aber nicht. Oftmals ist das Innere der Gräber nur ein öder viereckiger Raum. Man beachte die unterschiedlichen Farbschattierungen für die die Felsen in Petra berühmt sind.


Am zweiten Tag zwängten wir uns durch diese enge Schlucht, um uns als letztes ein niedliches Nymphäum anzuschauen:



...bei Bedarf kann ich auch gerne noch mehr Bilder von Petra reinstellen. Das war jetzt nur eine Minimalauswahl...


Nach anderthalb Tagen Petramarathon ging es für die letzte Nacht nach Aqaba ans rote Meer, wo wir bei angenehmen 20 Grad die Reise mit Bier, Meer und Skat ausklingen ließen.
Als wir am nächsten Tag zum späten Nachmittag wieder im Beit Josef eintrafen, fühlte sich der Gefrierraum eigens bemüßigt, uns durch einen Schwelbrand, der die gesamte Hütte zuräucherte, klar zu machen, dass auch das Beit Josef am letzten Tag des Jahres noch für Überraschungen gut ist. (Danke lieber Gefrierraum, das wäre nicht nötig gewesen...Penner...wegen dir konnte ich mich nicht nochmal Stunden aufs Ohr hauen...). Naja und dann haben wir, die Wiederangekommenen, und die Daheimgebliebenen, zuerst den Pizzamann mit einem Großauftrag glücklich gemacht und dann mit Bruder Nikodemus und dem Abt ins neue Jahr reingebetet.
Te Deum Laudamus
Amen


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