Donnerstag, 24. Dezember 2009

Nur an diejenigen, die zu Weihnachten nichts besseres zu tun haben als Blog zu lesen!!

Um ehrlich zu sein, ich bin kein begeisterter Blogschreiber. Blogschreiben ist Arbeit und Arbeit macht Mühe und Mühe ist der Bruder von Herrn Garstig, den ich nicht mag! Lediglich das Gerücht, dass es in diesem Kosmos Menschen gibt, die freiwillig diese belanglosen Zeilen lesen, kitztelt meine eitle Seele und veranlasst mich infolgedessen dazu, wider alle Vernunft, Blog zu schreiben.
Dieser Blog hat aber einen großen Vorteil:  man kann mit seiner Hilfe dezente Weihnachtsgrüße verschicken. Ich brauche also niemandem mit sehr niveauvollen und geistig gehaltvollen Massenmails auf die Ketten zu gehen, die man ja in dem ganzen Trubel eh nicht wirklich ernsthaft zur Kenntnis nimmt. Ich kann zudem  immer darauf verweisen, dass wer diesen Blog-Eintrag liest, dies aus freien Stücken tut und damit selber Verantwortung dafür trägt, wenn er seine Zeit verschwendet....
Wieder einmal ertappe ich mich dabei, wie ich in grenzenloser Eitelkeit (die, wenn sie sich ein passendes Gewand aussuchen müsste, zweifelsohne den Papst fragen würde, ob er ihr eines seiner ulkigen Weihnachtsornate ausborgen kann, damit sie sich so extravagant geben kann, wie nur irgend möglich) unzählige Buchstabenzeichen dafür verschwende, um eigentlich nichts zu sagen. Also zur Sache:
Wenn ich euch eines wünschen möchte, dann ist es ein Weihnachten, so unaufdringlich, wie man es nur hier in Israel erleben kann. Es würde mir beim Laufen durch die Stadt überhaupt nicht schwer fallen, glatt zu vergessen, dass heute Weihnachten ist. Nirgendwo Striezelmarktgedudel, kein Glühweingeruch, keine blinkenden Weihnachtsmänner, kein Schnee,  keine elektrischen Lichtgirlanden, keine...Grübel...
Bei Licht betrachtet, muss ich mir ein Armutszeugnis ausstellen, wenn es mit mir schon so weit ist, dass ich Weihnachten an all diesen belanglosen Dingen festmache. Vielleicht liegt es einfach im Kern dessen, was all die vielen Leute, die den Weihnachtsmann für einen beknackten, vermutlich immer nur Cola mit Schuss saufenden alten Mann im roten Anzug halten, da feiern: Gott kommt in einem Stall auf die Welt. Ins Heute übertragen: Vielleicht in irgendeiner der zahlreichen abgeranzten Autowerkstätten, die man in den arabischen Vierteln Ostjerusalems zuhauf sieht -  wahrscheinlich aber noch erbärmlicher. Auf jeden Fall so unglaublich unaufdringlich, dass es nicht schwerfällt daran vorbei zu laufen und stattdessen sich über blinkende Lichterketten aufzuregen, die einem nach dem Genuss von übermäßig viel Glühwein nur Kopfschmerzen bereiten.
So unersichtlich, dass man wahrscheinlich angesichts der vielen Weihrauchschwaden, die ihm zu Ehren in den Äther geschleudert werden, eher gegen die nächste Wand läuft und sich eine Beule holt, anstatt ihn zu erkennen.
So erbärmlich und nichtig, dass man lieber darüber schweigen möchte, anstatt davon mit Stolz geschwellter Brust zu erzählen.
So unvernünftig, dass er immer wieder dem Fliegenglas unserer sagenhaften Intelligenz entschlüpft.
So uneitel, dass man am liebsten keinen Blog darüber schreiben möchte.

Wer kann sich mit diesem Kind ernsthaft verbunden fühlen?
Die Kinder, die heute Abend eine potthässliche, billige Barbie vom Chinesen in der Hand halten? Der Hartzi, der sich seinen Frust über die überall grasierende Heimeligkeit mit einer Tiefkühlpizza und einem Sterni runterspült? Ich, weil ich menschlich, allzu menschlich bin? Wie er?
Wie er? Er hatte die Größe, sich mit dem ganzen "armseligen Gesindel" an einen Tisch zu setzen und sich miteinander über Sterni, Tiefkühlpizza und Chinesenbarbie zu freuen.

Gesegnete und unaufdringliche Weihnachten wünsche ich euch hier auf dem Zion sitzend und mich darüber wundernd, dass ich seine vielbesungene Tochter immer noch nicht zu Gesicht bekommen habe ;-)



Euer Bene (der jetzt hier mit zweitem Namen Mario heißt)

Samstag, 19. Dezember 2009

Fussball: Hapoel Tel Aviv vs. HSV Hamburg

"Architektur fürs Herz" Monatsausgabe Dezember 2009

Hallo liebe Leser von "Architektur fürs Herz",


es freut mich außerordentlich, Ihnen in dieser Monatsausgabe des Magazins für den friedliebenden Architekturliebhaber ein ganz besonders zukunftsträchtiges Exponat friedlicher Architektur vorstellen zu dürfen. Dieses einzigartige Stück irenischer Baukunst befindet sich im östlichen Teil der Hauptstadt des Heiligen Landes. Ich hatte das Vergnügen es auf einer Exkursion mit dem 36. Theologischen Studienjahr kennenzulernen.
Wie jeder weiß, gab es  in der jüngeren Geschichte des Heiligen Landes einige kleinere Unstimmigkeiten zwischen der arabisch- und der hebräisch-sprechenden Bevölkerung, weswegen die Regierung des Landes, die großen Wert auf gelungenes und friedliches Aneinander-vorbei-leben legt, sich bemüßigt fühlte, gleichsam als monumentales Zeichen der Eintracht, dieses Bauwerk des Friedens zu errichten.
Besonders beeindruckt hat mich dabei jener oben auf dem Foto abgebildete Abschnitt der Mauer, den ich Ihnen nun kurz vorstellen möchte, da er in exponierter Weise eine hoffnungsvolle Zukunft erahnen lässt.
Klicken sie doch einmal auf das Bild, sodass sie es vergrößert einige Momente auf  sich wirken lassen können.
Ist es nicht ein Bild voller Hoffnung?
Sehen sie, dass der Teil der Mauer  rechts vom Wachturm mit wunderschönen Ziegeln verblendet ist, die der Mauer ein angenehmes, um nicht zu sagen herzerwärmendes Gepräge geben? Ist es nicht ein Zeichen tiefster Menschlichkeit, dass man den Anwohnern den Anblick einer zunächst etwas trist und banal geratenen Mauerarchitektur nicht zumuten möchte und deswegen alle menschen-möglichen Anstrengungen aufbietet, um derselben zu einem wahrhaft freundlichen und einladenden Antlitz zu verhelfen?
Es bleibt freilich zu hoffen, dass in Bälde auch der linke Teil mit einem solchen Kleid humanistischer Edelmütigkeit versehen wird.
Sicherlich haben sie auch die kleine Tür bemerkt, die mit ihrem himmlischen Blau den geneigten Betrachter anlächelt. Sie wurde eigens in das Bauwerk integriert, damit palästinensische Kinder in den jenseitig an die Mauer angrenzenden Kindergarten, welcher von christlichen Ordensschwestern mit Liebe und Zuversicht geleitet wird, gelangen können. Muss es den Kindern nicht wie eine "Klimax tou paradeisou" vorkommen, wenn sie jeden Morgen, während einer halben Stunde, in der die Tür geöffnet ist, in diese wunderbare und andersartige Welt hinübertreten können, um dort zuerst von einem ganz sicher freundlich lächelnden israelischen Soldaten zum Kindergarten geführt und dort von den Schwestern in die Arme genommen werden zu können? Ist es nicht ein Zeichen pädagogischer Weitsicht, dass die Kinder, die schon in jungen Jahren zu souveräner Eigenständigkeit herangebildet werden sollen, um den kommenden Generationen Frieden und Glück zu bringen, den Schritt durch die himmlisch blaue Tür ganz alleine machen müssen, während sie ihre stolzen Eltern, die natürlich auf der anderen Seite nichts zu suchen haben, hinter sich lassen. Ihren palästinensischen Eltern ist die Mauer wiederum ein Garant für wirtschaftliche Prosperität und Zufriedenheit, denn sie können sich durch den Bau der Mauer, im Schweiße ihres Angesichts, ehrlich erarbeitetes Geld verdienen und damit ihrer Familie ein zwar bescheidenes, aber doch sicheres Auskommen bescheren.
Hier sei angemerkt, dass nicht nur die Mauer des Friedens den palästinensichen Vätern pekuniären Segen spendet, sondern auch die weltweit bekannten "Siedlungen des Friedens", die im Osten Jerusalems und im Westjordanland ein willkommenes Stelldichein feiern. Diese werden natürlich - wie sollte es anders sein -  ebenfalls von den fleißigen Händen geschickter palästinensischer Handwerker errichtet. Dort stehen sie dann umgeben von arabischen Dörfern, die sich nicht weiter ausdehnen können (kleine Opfer für den Frieden müssen immer erbracht werden...), und gewährleisten ein friedensstimulierendes Zusammenleben in unmittelbarer Nachbarschaft. Dass israelische Siedlungen von den Einwohnern nur über separate Zugangsstraßen erreicht werden können und hier und da mal ein militärischer Sicherheitposten auftaucht, ist nur eine kleine unauffällige Sicherheitsmaßnahme (man weiß ja nie, vielleicht gibt es neben den so zahlreichen Friedensbefürwortern doch mal ein verirrtes Schaf...)
Es gäbe über diese so faszinierende Landschaft des Friedens noch so viel zu berichten, aber dieser Rahmen gewährt dafür leider nicht ausreichend Platz. Daher möchte ich Sie, liebe Leser, mit diesen wenigen und bruchstückhaften Eindrücken, ins Wochenende entlassen. Bleiben sie offen für jedes Anzeichen einer Architektur des Friedens...

Herzlichst
Hildegund Sauerampfer-Wendelmann

Sonntag, 13. Dezember 2009

Der Wochenrückblick für Eilige

Hurz liebe Leserinnen und Leser,
wieder liegt eine Woche hinter mir in der ich vieles erleben, studieren und vergessen konnte. Abgesehen davon, dass ich wieder zahlreiche Vorlesungen mit meiner physischen Präsenz verschönert habe, hatte ich die Gelegenheit zusammen mit der Truppe zwei orthodoxe Denominationen etwas näher kennenzulernen. Am  Montag statteten wir zunächst den Armenisch-orthodoxen Mitbrüdern einen Besuch ab. Die Armenier sind schon sehr lange im heiligen Land und bevölkern einen eigenen Stadtteil in der Altstadt. Der Stellvertreter des sehr alten und kranken Jerusalemer Patriarchen erzählte uns einiges über die Geschichte der armenischen Kirche im heiligen Land, über den großen kulturellen Verlust, den die Armenier durch den Genozid in der Türkei 1915 erleiden mussten, aber auch mit einem Hauch von Ironie über die unsäglichen Zustände in der Grabeskirche.
Am Mittwoch hatte Prof. Prokschi (der begnadete Fussballspieler, weswegen ich ihm allergrößte Verehrung entgegenbringe) einen Treffen mit dem Generalvikar der syrisch-orthodoxen Kirche anberaumt. Dort war ich auch physisch präsent. Ich erinnere mich vor allem, dass der Generalvikar uns erzählte, wie schwer es mitunter als christlicher Priester in der Jerusalemer Altstadt sein kann, wenn man durch das jüdische Viertel läuft und damit rechnen muss, von kleinen Kindern angespuckt zu werden.
Dieser Erfahrungsbericht des Generalvikars wurde auf interessante Weise von dem abendlichen Vortrag ergänzt, den uns Martin Vahrenhorst ein Neutestamentler an der Uni in Beer Sheva hielt. Da er qua Amt, als Leiter des Studienprogramms "Studium in Israel" schon eine ganze Weile in Jerusalem lebt, wusste er kenntnisreich zu berichten, welchen Stand Christentum und Neues Testament in der israelischen Gesellschaft haben. Ich vereinfache mal auf beinahe unzulässsige Weise: für die Einen (nennen wir sie mal die Strenggläubigen) sind wir Gojim, also Heiden oder Götzenanbieter, für die anderen (vielleicht die liberalen jüdischen Intellektuellen) Anhänger einer Religion, die aus einem beeindruckenden Rabbi einen Gott gemacht hat und für den Großteil der säkularen Israelis sind Christen Kreuzritter mit einer netten Botschaft von Liebe und Freundschaft....ich will das hier nicht auswälzen, aber eine kleine Bemerkung am Rande sei mir hier in eigener Sache noch gestattet: Religionsunterricht, der anstatt nur den Tanach (jüdisches "Altes Testament") rauf und runter zu lesen auch mal andere Religionen zur Sprache bringen würde, könnte da sicherlich etwas verbessern...
Und dann kam irgendwann der Donnerstag Abend: die legendäre Einladung von Frau Neuwirth in der Wohnung ihres "filius" bei Weihrauch und Kerzenschein, Unmengen an Arak (vgl. Ouzo) zu vernichten, um zu fortgeschrittener Stunde die gesamte Jerusalemer Altstadt mit wenig-professionellem, aber doch sehr leidenschaftlichen bisweilen mehrstimmigen Weihnachtsliedergesang (resp.: -gejodel) zu beglücken.
Freitag waren wir während der Vorlesung physisch präsent.
Abends gingen etliche in die Synagoge, um Erev Chanukka zu feiern.
Gestern Abend Sportschau (juchee) und dann Kneipe
Heute: Einladung bei Exelers zum Essen (sehr Lecker!!); gleich Tandemkurs; anschließend Unterhaltung mit Abtprimas Notker Wolf; Bett

Lehitraot
bene

Dienstag, 8. Dezember 2009

Schalom,
mal wieder einige Zeilen von mir. Natürlich studieren wir fleißig vor uns hin. Nichtsdestotrotz erleben wir natürlich das eine oder andere. Letzte Woche waren wir mit Frau Neuwirth (sie lehrt Islamwissenschaft in Berlin) auf dem Haram es-Sharif, wie der Tempelberg auf arabisch heißt. Er ist zur Zeit nur von 8 Uhr  bis 10:30 Uhr begehbar. Natürlich waren wir pünktlich um Acht am Einlass. Frau Neuwirth hingegen verspätete sich um über eine Stunde - sehr sympathisch. Und dann standen wir endlich mal vor ihm, dem Felsendom - eines der markantesten Gebäude Jerusalems und der drittheiiligste Ort der Muslime, die dort der Himmelfahrt Muhammads gedenken. Außer dem Felsendom befindet sich noch die Al-Aqsa-Moschee, die im Gegensatz zum Felsendom eine richtige Moschee, im Sinne eines muslimischen Gebetsraumes darstellt, wohingegen der Felsendom ein reiner Kommemorialbau ist...


Sonntag: endlich mal wieder Fussballspielen. Diesmal mit den Jesuitenstudenten. Wir hatten dabei tatkräftige Unterstützung von Prof. Prokschi, bei dem wir gerade Ostkirchenkunde hören, und den wir doch in  der Tat überreden konnten mitzuspielen.
Abends gab es dann einen jemütlichen Nikolausabend mit den Mönchen.
Gestern Nachmittag: Abstecher ins armenische Viertel, um dort bei unseren armenisch-orthodoxen Freunden einen Gottesdienst mitzuerleben und anschließend noch mit dem Stellvertreter des Patriarchen ins Gespräch zu kommen...