Hurz liebe Leserinnen und Leser,
wieder liegt eine Woche hinter mir in der ich vieles erleben, studieren und vergessen konnte. Abgesehen davon, dass ich wieder zahlreiche Vorlesungen mit meiner physischen Präsenz verschönert habe, hatte ich die Gelegenheit zusammen mit der Truppe zwei orthodoxe Denominationen etwas näher kennenzulernen. Am Montag statteten wir zunächst den Armenisch-orthodoxen Mitbrüdern einen Besuch ab. Die Armenier sind schon sehr lange im heiligen Land und bevölkern einen eigenen Stadtteil in der Altstadt. Der Stellvertreter des sehr alten und kranken Jerusalemer Patriarchen erzählte uns einiges über die Geschichte der armenischen Kirche im heiligen Land, über den großen kulturellen Verlust, den die Armenier durch den Genozid in der Türkei 1915 erleiden mussten, aber auch mit einem Hauch von Ironie über die unsäglichen Zustände in der Grabeskirche.
Am Mittwoch hatte Prof. Prokschi (der begnadete Fussballspieler, weswegen ich ihm allergrößte Verehrung entgegenbringe) einen Treffen mit dem Generalvikar der syrisch-orthodoxen Kirche anberaumt. Dort war ich auch physisch präsent. Ich erinnere mich vor allem, dass der Generalvikar uns erzählte, wie schwer es mitunter als christlicher Priester in der Jerusalemer Altstadt sein kann, wenn man durch das jüdische Viertel läuft und damit rechnen muss, von kleinen Kindern angespuckt zu werden.
Dieser Erfahrungsbericht des Generalvikars wurde auf interessante Weise von dem abendlichen Vortrag ergänzt, den uns Martin Vahrenhorst ein Neutestamentler an der Uni in Beer Sheva hielt. Da er qua Amt, als Leiter des Studienprogramms "Studium in Israel" schon eine ganze Weile in Jerusalem lebt, wusste er kenntnisreich zu berichten, welchen Stand Christentum und Neues Testament in der israelischen Gesellschaft haben. Ich vereinfache mal auf beinahe unzulässsige Weise: für die Einen (nennen wir sie mal die Strenggläubigen) sind wir Gojim, also Heiden oder Götzenanbieter, für die anderen (vielleicht die liberalen jüdischen Intellektuellen) Anhänger einer Religion, die aus einem beeindruckenden Rabbi einen Gott gemacht hat und für den Großteil der säkularen Israelis sind Christen Kreuzritter mit einer netten Botschaft von Liebe und Freundschaft....ich will das hier nicht auswälzen, aber eine kleine Bemerkung am Rande sei mir hier in eigener Sache noch gestattet: Religionsunterricht, der anstatt nur den Tanach (jüdisches "Altes Testament") rauf und runter zu lesen auch mal andere Religionen zur Sprache bringen würde, könnte da sicherlich etwas verbessern...
Und dann kam irgendwann der Donnerstag Abend: die legendäre Einladung von Frau Neuwirth in der Wohnung ihres "filius" bei Weihrauch und Kerzenschein, Unmengen an Arak (vgl. Ouzo) zu vernichten, um zu fortgeschrittener Stunde die gesamte Jerusalemer Altstadt mit wenig-professionellem, aber doch sehr leidenschaftlichen bisweilen mehrstimmigen Weihnachtsliedergesang (resp.: -gejodel) zu beglücken.
Freitag waren wir während der Vorlesung physisch präsent.
Abends gingen etliche in die Synagoge, um Erev Chanukka zu feiern.
Gestern Abend Sportschau (juchee) und dann Kneipe
Heute: Einladung bei Exelers zum Essen (sehr Lecker!!); gleich Tandemkurs; anschließend Unterhaltung mit Abtprimas Notker Wolf; Bett
Lehitraot
bene
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