Samstag, 19. Dezember 2009

"Architektur fürs Herz" Monatsausgabe Dezember 2009

Hallo liebe Leser von "Architektur fürs Herz",


es freut mich außerordentlich, Ihnen in dieser Monatsausgabe des Magazins für den friedliebenden Architekturliebhaber ein ganz besonders zukunftsträchtiges Exponat friedlicher Architektur vorstellen zu dürfen. Dieses einzigartige Stück irenischer Baukunst befindet sich im östlichen Teil der Hauptstadt des Heiligen Landes. Ich hatte das Vergnügen es auf einer Exkursion mit dem 36. Theologischen Studienjahr kennenzulernen.
Wie jeder weiß, gab es  in der jüngeren Geschichte des Heiligen Landes einige kleinere Unstimmigkeiten zwischen der arabisch- und der hebräisch-sprechenden Bevölkerung, weswegen die Regierung des Landes, die großen Wert auf gelungenes und friedliches Aneinander-vorbei-leben legt, sich bemüßigt fühlte, gleichsam als monumentales Zeichen der Eintracht, dieses Bauwerk des Friedens zu errichten.
Besonders beeindruckt hat mich dabei jener oben auf dem Foto abgebildete Abschnitt der Mauer, den ich Ihnen nun kurz vorstellen möchte, da er in exponierter Weise eine hoffnungsvolle Zukunft erahnen lässt.
Klicken sie doch einmal auf das Bild, sodass sie es vergrößert einige Momente auf  sich wirken lassen können.
Ist es nicht ein Bild voller Hoffnung?
Sehen sie, dass der Teil der Mauer  rechts vom Wachturm mit wunderschönen Ziegeln verblendet ist, die der Mauer ein angenehmes, um nicht zu sagen herzerwärmendes Gepräge geben? Ist es nicht ein Zeichen tiefster Menschlichkeit, dass man den Anwohnern den Anblick einer zunächst etwas trist und banal geratenen Mauerarchitektur nicht zumuten möchte und deswegen alle menschen-möglichen Anstrengungen aufbietet, um derselben zu einem wahrhaft freundlichen und einladenden Antlitz zu verhelfen?
Es bleibt freilich zu hoffen, dass in Bälde auch der linke Teil mit einem solchen Kleid humanistischer Edelmütigkeit versehen wird.
Sicherlich haben sie auch die kleine Tür bemerkt, die mit ihrem himmlischen Blau den geneigten Betrachter anlächelt. Sie wurde eigens in das Bauwerk integriert, damit palästinensische Kinder in den jenseitig an die Mauer angrenzenden Kindergarten, welcher von christlichen Ordensschwestern mit Liebe und Zuversicht geleitet wird, gelangen können. Muss es den Kindern nicht wie eine "Klimax tou paradeisou" vorkommen, wenn sie jeden Morgen, während einer halben Stunde, in der die Tür geöffnet ist, in diese wunderbare und andersartige Welt hinübertreten können, um dort zuerst von einem ganz sicher freundlich lächelnden israelischen Soldaten zum Kindergarten geführt und dort von den Schwestern in die Arme genommen werden zu können? Ist es nicht ein Zeichen pädagogischer Weitsicht, dass die Kinder, die schon in jungen Jahren zu souveräner Eigenständigkeit herangebildet werden sollen, um den kommenden Generationen Frieden und Glück zu bringen, den Schritt durch die himmlisch blaue Tür ganz alleine machen müssen, während sie ihre stolzen Eltern, die natürlich auf der anderen Seite nichts zu suchen haben, hinter sich lassen. Ihren palästinensischen Eltern ist die Mauer wiederum ein Garant für wirtschaftliche Prosperität und Zufriedenheit, denn sie können sich durch den Bau der Mauer, im Schweiße ihres Angesichts, ehrlich erarbeitetes Geld verdienen und damit ihrer Familie ein zwar bescheidenes, aber doch sicheres Auskommen bescheren.
Hier sei angemerkt, dass nicht nur die Mauer des Friedens den palästinensichen Vätern pekuniären Segen spendet, sondern auch die weltweit bekannten "Siedlungen des Friedens", die im Osten Jerusalems und im Westjordanland ein willkommenes Stelldichein feiern. Diese werden natürlich - wie sollte es anders sein -  ebenfalls von den fleißigen Händen geschickter palästinensischer Handwerker errichtet. Dort stehen sie dann umgeben von arabischen Dörfern, die sich nicht weiter ausdehnen können (kleine Opfer für den Frieden müssen immer erbracht werden...), und gewährleisten ein friedensstimulierendes Zusammenleben in unmittelbarer Nachbarschaft. Dass israelische Siedlungen von den Einwohnern nur über separate Zugangsstraßen erreicht werden können und hier und da mal ein militärischer Sicherheitposten auftaucht, ist nur eine kleine unauffällige Sicherheitsmaßnahme (man weiß ja nie, vielleicht gibt es neben den so zahlreichen Friedensbefürwortern doch mal ein verirrtes Schaf...)
Es gäbe über diese so faszinierende Landschaft des Friedens noch so viel zu berichten, aber dieser Rahmen gewährt dafür leider nicht ausreichend Platz. Daher möchte ich Sie, liebe Leser, mit diesen wenigen und bruchstückhaften Eindrücken, ins Wochenende entlassen. Bleiben sie offen für jedes Anzeichen einer Architektur des Friedens...

Herzlichst
Hildegund Sauerampfer-Wendelmann

1 Kommentare:

  1. Da hätte aber als Nachname Mauermann besser gepasst, der richtige Artikel zum Fest des Friedens. Mutti

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