Shalom,
da ich ab Montag für zwei Wochen auf Exkursion bin, wollte ich mich wenigstens kurz melden, damit nicht der Eindruck entsteht, ich sei des Schreibens überdrüssig geworden, o.ä.
In der Vergangenen Woche war es hier das erste mal tüchtig kalt und regelrecht verregnet, was in dem äußerst schlecht isolierten Beit Josef dazu führte, dass alle nur noch mit dicken Pullis und Schal am Schreibtisch sitzen konnten. Allerdings scheint es sich der Herbst nocheinmal anders überlegt zu haben, denn heute kann man schon wieder problemlos im T-shirt umherwandeln. Der Fussballplatz, den wir mittlerweile mit einer gewissen Regelmäßigkeit aufsuchen, hätte eigentlich Gummistiefel erfordert, denn die Hälfte des Platzes war mit einer riesigen Pfütze bedeckt. Ansonsten war in der letzten Woche eifriges Frequentieren des Schreibtisches angesagt, da viele von uns Referate in Vorbereitung auf die Galiläa-Exkursion zu halten hatten. Umso froher waren alle, dass seit gestern Nachtmittag der erste Block einer intensiven Vorlesungsphase beendet ist. So konnte ich gestern das erste Mal seit langem wieder in der Altstadt rumstreunern. Zusammen mit Hanne bin ich dabei auf einen Antiquitätenhändler gestoßen, der allen möglichen jahrtausende alten Krempel für viel Geld anbietet (wer Interesse an einer Aschtarte-Statuette aus der Eisenzeit IIb hat und 1500 € übrig hat, kann ja mal bescheid geben). Wir haben uns dann mit ihm - er ist Palästinenser - aber lieber über seine Sicht der Dinge in Israel unterhalten, weil wir nicht genug Kleingeld für Antiquitäten hatten. Leider war sein Englisch noch schlechter als meines (und das will was heißen), so dass ich seinen Äußerungen nur entnehmen konnte, dass alle Politiker durch die Bank weg sehr geldgierig sind und deswegen schon viele Menschenleben auf dem Gewissen haben, egal ob sie Netanjahu, Olmert oder Abbas heißen und deswegen kümmert er sich nicht um die Politik. Und von den Juden sind ja die Ultraorthodoxen die schlimmsten, wohingegen die nichtreligiösen ganz ok sind. Nun ja man muss nicht unbedingt seiner Meinung sein, aber immerhin hat man mal eine palästinensische Sichtweise im O-Ton kennengelernt und ich hab mir ausnahmsweise mal meinen pseudo-intlellektuellen Lieblingssatz ("Ja, ähm, ich denke, ähm, das muss man differenziert betrachten, ähm,...") verkniffen.
Heute morgen sind einige ganz Fromme um halb fünf auf gestanden, um im Meer der Allahu-akbar rufenden Muezzine, die um diese Uhrzeit das erste mal zum Gebet rufen, zur Grabeskirche zu pilgern. Anlass war, dass Father Luke eine Messe im Inneren der Grabesädikula organisiert hatte. Ich bin ganz ehrlich, zu solch früher Stunde bin ich noch nicht sehr andachtsfähig, so dass dieser Gottesdienst für mich sicherlich nicht zu den absoluten spirituellen Highlights gehörte, aber ich kann sagen, dass ich das mal miterlebt habe. Im Übrigen musste Father Luke im Turbotempo zelebrieren, da nach einer halben Stunde bereits die nächste Gruppe auf der Matte stand. So ist das halt im heiligen Land...
Wenn wir ab nächste Woche unser Hauptquartier in Tabgha am See Genezareth aufschlagen,werde ich kaum Zugriff auf Internet haben, aber ich verspreche, dass ich im Nachhinein wieder berichten werde.
Seid alle recht herzlich gegrüßt.
Euer
bene
Unten gibt's noch einen kleinen fotografischen Eindruck von dem Ort, den ich in den letzten Wochen lieben und hassen gelernt habe.
P.s. Schöne Grüße von meinen Socken
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