ein schon recht kühles Lüftchen weht durch mein leicht geöffnetes Balkonfenster und auch Jericho haben wir heute unter einem bedeckten Himmel wandelnd kennengelernt.
Jericho, die Stadt, die es irgendwie aus Guinnesbuchrekorde abgesehen hat:
- Jericho: die älteste Stadt der Welt
- Jericho: eine der heißesten Städte der Welt
- Jericho: die tiefstgelegene Stadt der Welt
Zugegebenermaßen, wenn man Ende Oktober die Stadt bereist, macht sie keinen besonders aufsehenerregenden ersten Eindruck. Dennoch ist J. überaus wert besucht zu werden, insbesondere für alle, die einen Faible für Archäologie haben...sprich: das 36. Theologische Studienjahr. Ziel unserer Exkursion waren ein paar klägliche Mauerreste von schlossähnlichen Anlagen aus hasmonäischer (2. Jh. v. Chr.) und herodianischer Zeit (kurz vor der Zeitenwende), ein verfallenes Zeit, der Tell (Kulturschutthügel) des neolithischen und bronzezeitlichen Jericho, das Versuchungskoster (dem Gedenken an Jesu Versuchung (vgl. Mt 4) und zum Schluss ein Mosaikenmuseum.
Am spannendsten war freilich der Tell des alten Jericho:
Man stelle sich etwas vor, das auf den ersten Blick wie ein hunderfünfzig mal dreihundert Meter mal 10 Meter hoher Geröllhügel aussieht. Das für sich genommen ist recht uninteressant, beginnt man aber in diesem an exponierter Stelle gelegenen Hügel rumzustochern und rumzubuddeln, dann kommen einige interessante Dinge zum Vorschein: ein 8000 Jahre alter Steinturm, der zu einer Befestigungsanlage gehört haben könnte, Mauerreste bronzezeitlicher Siedlungen und eingestürzte Stadtmauern....Klingelingelingeling...(wenn nicht Klingelingeling, dann dringende Lektüreempfehlung: Jos 6). Da es gleich Abendbrot gibt, fasse ich mich kurz:
Ja in Jericho gab es Mauern. Und Ja: sie sind sogar eingestürzt. Dieser sagenhafte Fund veranlasste einige ganz euphorische Archäologen des beginnenden 20 Jh. zu der leidenschaftlichen Aussage: "Und die Bibel hat doch recht". Zum Leidwesen aller evangelikalen Bibelleser hat die englische Ausgräberin Kathleen Kenyon herausgefunden, dass die Mauern, die da aussehen, als seien sie gewaltsam eingestürzt, vermutlich durch eine Feuersbrunst eingefallen sind und das um das Jahr 1500 v. Chr. Leider kann man die Besiedlung Palästinas und damit Jerichos durch israelitische Stämme frühestens auf 1200 v. Chr. datieren...knirsch...Dies erzeugt nicht nur bei den kritischen Erforschern der biblischen Texte und Geschichte, sondern auch bei mir und hoffentlich auch bei dem geneigten Leser einige kognitive Dissonanzen. Man kommt also nicht umhin, seinen von Gott auch zum Nachdenken geschenkten Kopf einzusetzen, um die Entstehung solcher biblischer Texte zu erklären. Genau das tun moderne Bibel-Exegeten, was sich dann u.a. in der plausibel klingenden Aussage niederschlägt, das Jos 6 in einer Zeit entstand, als sich die Söhne Jakobs und Judas folgenreichen Eroberungsfeldzügen der Assyrer (im 8 Jh. v. Chr.) ausgesetzt sahen, und zwar als eine Art erbauliche Erzählung. Die josuanische Erzählung von der Eroberung Jerichos durch Posaunenschall etc. ist also kein historischer Text (die es durchaus gibt in der Bibel), sondern ein durch und durch literarischer, was dem Text aber eigentlich keinerlei Abbruch tut...
Mehr kann ich leider nicht erzählen, weil wir uns gleich noch einen Vortrag eines jüdisch-orthodoxen Theologen anhhören.
Euer Bene
Toilettenpause auf den frühmuslimischen Toiletten im Hischamspalast.
Der Tell des ältesten Stadtkerns von Jericho.
Das älteste erhaltene Steingebäude der Welt:
Der 8000 Jahre alte Turm der steinzeitl.
Befestigungsanlage
Diese Mauer hat leider nicht Josua zum Einstürzen
gebracht.
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