Freitag, 23. Oktober 2009

Die unerträgliche Leichtigkeit dessen, was vermutlich keinen interessiert (Leseempfehlung: Nur für Leute, die wirklich nichts besseres zu tun haben oder an chronischer Langeweile leiden)

Liebes Blogschreibprogramm,
wie du sicherlich schon festgestellt hast, bin ich ein überaus wagemutiger, kühner, aufrechter und flexibler junger Bursche. In jüngster Zeit zeigen sich diese meine hervorstechendsten Eigenschaften in einer ganz besonders aufsehenerregenden Unternehmung. Ja, ich will dir nicht verschweigen, liebes Blogschreibprogramm, dass ich mich seit einigen Tagen in der hohen Kunst versuche, die sonst nur ganz besonders ausgbuffte Exemplare der seltenen menschlichen Spezies "Computerfutzi" beherrschen: zehnfingeriges Tippen auf einer Computertastatur. An Schwierigkeit ist diese kunstvolle Fertigkeit nur mit dem vierfüßigen Spielen von Schubertsonaten auf einer Arschgeige zu vergleichen!!  Und so trug sich alles zu:
Im Anfang war also ein "ZehnfingerschreibenLernProgramm" .... ich überspringe einige Tage und fahre fort mit Tag 10 des Erleuchtungsprozesses:
Dank meiner unglaublich schnellen Auffassungsgabe bedurfte es nur zweier Tage um zu begreifen, dass mit Zehnfingersystem zu schreiben keineswegs bedeutet, mit möglichst vielen Finger möglichst viele Tasten auf einmal  zu treffen. Nein, Nein! Mit einem Hauch von Grazie und einer Prise feinmotoriger Koordination gilt es über die Tasten zu streichen!
Schon einen weiteren Tag später realisierte ich, dass meine zehn Finger nicht einfach nur beliebig mit den Tasten der Tastatur in Kontakt treten dürfen (wie es uns etwa eine postmodern-libertinistisch-antiautoritäres Lernprogramm einreden würde). Nein, Nein! Ein jeder Finger begnüge sich mit drei, maximal vier Tasten, die vorher nach dem Prinzip einer kosmischen Ordnung je einem bestimmten Finger zugeordnet wurden, etc.pp.
Also, das Unterfangen "Schreiben mit zehn Fingern" nahm allmählich durchaus als anspruchsvolle zu bezeichnende Züge an. Doch mit kühner Hühnerbrust stellte ich mich diesen sich unüberwindbar gerierenden Schwierigkeiten und ja: ich schlage mich (trotz eines mit zahlreichen Fluchwörtern geschwängerten Äthers) wacker!!  Schon gelingt es mir bei einer beeindruckenden Tastenanschlagsrate von 300 Anschlägen die Minute drei bis vier, an guten Tagen mitunter sogar fünf, orthographisch richtige Wörter auf den Bildschirm zu zaubern. PADAUZ PUFF KLIMM BIMM KRÄCHZ (Krüger plötzlich erschrocken auffahrend) Huch, was ist dieses?  Was widerfährt mir da?

eine laute Stimme aus dem Off: KKKKKKKKRRRRRÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜGGGGEEEEEEEERRR, DU HIRNAMPUTIERTER VOGEL!!!!!!! KEIN AAS INTERESSIERT SICH FÜR DEINE ERBÄRMLICHEN ZEHNFINGERSCHREIBÜBUNGEN!
Krüger (kleinlaut, verlegen erwidernd): Ach...Nein?
laute Stimme aus dem Off: NNNNNNNNNEEEEEEIIIIIIIIINNNNNNNNNNN!!!!!!!!!!
Krüger: Ach...ja...wofür interessieren sich die Leute denn? 
laute Stimme aus dem Off: Mensch bist du wirklich so schwer von Begriff? Erzähl den Leuten gefälligst, was du gerade in Israel erlebst!
Krüger (mit tränenerstickter Stimme): Na gut. Schluchz. Also um halb Acht klingelt mein Wecker. Zwanzig Minuten später stehe ich auf. Dann esse ich Frühstück, meistens Cornflakes und dann komme ich meistens zu spät in die Vorlesung, weil ich so lange brauch zum Essen, denn die Cornflakes sind gar nicht mal so lecker. In der Vorlesung erzählt man uns dann, dass der Prophet Amos sehr sauer war auf die High Society, weil die sich nicht um die Penner gekümmert haben und deswegen wünscht er denen die Pest und allerlei andere unvorteilhafte Dinge an den Hals. Außerdem erzählt uns der Herr Jeremias, dass man Kap. 5 eindeutig nur als Ringkomposition verstehen kann. Aber, warum das so ist, kapier ich meistens nicht mehr, weil das immer am herbräischen Text erklärt wird. Und dann ist Pause und da kehr ich meistens den Hof, das ist dann nicht ganz so schwer. Und dann haben wir schon wieder Vorlesung und da erzählt uns unsere Dekanin, dass der Evangelist Johannes einen sagenhaft mickrigen Wortschatz von 400 griechischen Wörtern hatte, was immerhin noch das zwanzigfache von meinem griechischen Wortschatz ist. Und damit habe ich es sogar durch die Griechischprüfung geschafft.  Also kann der Johannes ja gar nicht so schlecht sein in Griechisch. Naja wie dem auch sei, der Johannes hat außerdem ganz viele intratextuelle Bezüge oder sowas in seinen Evangelium reingebastelt und deswegen ist der Text wie ein Teppich und dann...
laute Stimme aus dem Off:KRÜGER! Erzähl den Leuten was Spannendes!!!
Krüger: Hä? Is das nicht spannend?
laute Stimme aus dem Off: Natürlich nicht! Welcher normale Mensch will denn was über intratextuludingsbums wissen?
Krüger: Ja, aber so viel spannendes kann ich, glaube ich, gar nicht erzählen. Außer vielleicht , dass wir mit der Tamar Avram in Jerusalem auf Exkursion waren und uns Plätze der Nakba (Vertreibung der Palästinenser aus Jerusalem und anderen Orten währende israelischen Unabhängigkeitskrieges) angeschaut haben. Tamar hat uns auch erzählt, dass auf einem ehemaligen muslimischen Friedhof ein Museum für Toleranz errichtet werden soll. Die Muslime finden das freilich  nicht sehr toll. Aber als Zeichen der Toleranz muss da unbedingt auf Gedeih und Verderben ein Toleranzmuseum hin, denn bekanntermaßen ist ja museal ausgestellte Toleranz wichtiger als tatsächlich gelebte.
Einen anderen Tag waren wir mal in der Bethlehem-Universität und haben uns dort mit palästinensischen Studenten und Professoren unterhalten und uns Einschusslöcher im Gebäude der Uni angeschaut, die von der letzten Intifada stammen.
Ach und der Norbert, unser lieber Bibliothekar, muss bald weg von hier, weil er keine Aufenthaltserlaubnis bekommt. Natürlich sind wir der Schas-Partei, die das zuständige Ressort im Innenministerium verwaltet sehr dankbar, denn so kommt der Norbert endlich mal wieder nach Hause und die Abtei hat noch mehr Arbeit am Bein.
Neulich haben wir auch mal Fussball gespielt, zusammen mit den Amis, die hier gleich um die Ecke Bible Studies studieren. Zuerst haben wir alle versucht, den Ball mit geistiger Kraft von A nach B zu bewegen, denn es ist schon sehr anstrengend, wenn man in dreißig Minuten mehr als zweimal einen Fussballplatz von 30 Metern Länge überqueren muss. Leider ist uns dies nicht gelungen, vermutlich weil wir noch nicht gläubig genug sind oder zu unkonzentriert...
Ja und gleich muss ich zum Chor, weil wir zwei Lieder am Sonntag bei der Verleihung des "Mount Zion Award" singen sollen.
Stimme aus dem Off: Naja schon besser. Das nächste mal gibst du dir aber n bissl mehr Mühe? Ja? Jetzt stellste noch ein paar Bilder rein und fertig ist der Lack. Damit die armen Leser wenigstens etwas geboten bekommen! Und dann gehst du gefälligst ein Bier trinken!!

Krüger: Na gut!
Stimme aus dem Off: So sag den armen Leuten noch Tschüssi!
Krüger: Tschüss
Stimme aus dem Off: Wie oft soll ich es dir noch sagen: Es heißt Tschüssi und nicht Tschüss!!! Krüger, du bist ein sehr schlechter Sachse!!!!
Krüger: Tschüssi





Einschussloch in einer Mauer der Uni von Bethlehem





















Livda: ein verlassenes Araberdorf vor den Toren Jerusalems


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