Samstag, 26. September 2009
Von Schränken, Augen, Fingerkuppen und einem Bittruf
Köstlich! Welch Freude kann doch das Verrichten solch utilitärer Tätigkeiten wie sogenanntes Seminar-Raum-Entrümpeln bereiten. Ich hätte mir beinahe Schwielen in die Hände geschafft. Glücklicherweise hatte ich bereits ein wenig Hornhaut auf den Fingerkuppen durch das Wenden unzähliger Seiten Origenes, jenem unsäglichem, pardon ich meinte natürlich, unsagbar begnadeten Kirchenvater aus dem 2. Jh., der abermillionen Seiten verschwendet, äh, hehe, verwendet hat, um so ziemlich jedem Satz der Bibel einen eigenen Kommentarband zur Seite zu stellen. Ihm verdanken wir z.B. den überaus wertvollen Hinweis, dass das Ausreißen des rechten Auges (Mt 5,29) traunfürwahr eine recht nutzlose Geste darstellt, ist doch das linke Auge noch immer der Versuchung ausgesetzt, jener holden Maid hinterherzublicken, die zum Anlass des Verlusts unseres Stereo-Sehfähigkeit wurde.
Wie dem auch sei, Ziel dieser Aktion war es, den durchaus sehr vulgär ausschauenden Seminarraum von allerlei Krempel - unter anderem ein riesiger Aufbewahrungsschrank für theologische Fachzeitschriften - zu befreien. Besagten Schrank haben wir mittels rollbaren Unterlagen und unter Aufwendung unmenschlich großer Muskelkraft über den halben Zionsberg geschoben, hindurch durch das bunte Meer russischer, italienischer und weiß der Herrgott welcher Touristen, bis hin in einen kleinen Raum jenseits des Eulenhofes, in dem die Mönche in Ruhe dem Genuss feinster Tabakwaren frönen.
Ich fasse mich kurz: der nun entrümpelte Seminarraum sieht nun, selbst für benediktinische Verhältnisse, etwas zu karg aus, beinahe - ich muss es leider so drastisch sagen - franziskanisch. Wir werden freilich einige Anstrengungen unternehmen, um diesen Zustand schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen. Wir dachten über die Anschaffung eines schlichten Canapés nach, wohl aber auch eines Teppichs, zweier Regale, eines neuen Wandanstrich's und dergleichen Dinge mehr. Leider mutet außer dem Seminarraum auch das Finanzsäckel des Klosters und des theologischen Studienjahres wahrhaft minoritenbrüderlich an.
Geliebte Brüder und Schwestern: dieser unwürdige, einer theologischen Studieneinrichtung nicht zur Ehre gereichende Zustand kann behoben werden. Veranlasse doch ein jeder von euch, der nicht gerade wie ein sächsischer Student von den wenigen lächerlichen Krumen leben muss, die pedantische sächsische BaföG-Beamte vom Tische des Studentenwerks fallen lassen, sein nächstenliebendes Herz, zu einem Aufruf an jenes noch nicht ausgerissene Auge, auf dass es Acht gebe auf den ein oder anderen unnütz vor sich hin darbenden Groschen oder Taler, der u.U. gewillt ist, die weite Reise auf ein Gelddepot benediktinischer Provenienz (Näheres s.u.)anzutreten. So Gott will, oder wie die Anhänger Mohammeds es zu sagen pflegen: Inschallah, werden auf diesem Weg meine Kommilitonen und ich alsbald in einem wunderbar gestalteten Seminarraum die hohen geistigen Gipfel der kirchenväterlichen wie auch der aktuellenTheologie erklimmen und mit neuen Kommentarbänden die Bibliotheken dieser Welt zum Bersten bringen.
Eure schnittlauchtigste Bedürftigkeit
Benedictus Krugerius
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"Neuer Seminarraum Beit Josef"
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Nach so einem Aufruf müsste der Seminarraum ja bald in Hi Tec Verssion wiederauferstehen.
AntwortenLöschenMutti
Aber Hallo:-)
AntwortenLöschenElli