Donnerstag, 20. August 2009
Yad Vashem
Yad Vashem (übers. Denkmal und Name (wörtl. Hand und Name))
Gestern waren wir da. Ich hatte wie so oft bei solchen Ausstellungen das Gefühl, dass ich nicht annähernd in der Lage bin, das Leid der Shoa (wörtl. Wettersturm) zu erfassen. Die Macher von Yad Vashem sind zwar sichtlich bemüht, auch individuelle Schicksale einzubauen, um der Shoa die Abstraktheit der grausamen Zahlen (6 Mio...) und Namen zu nehmen, trotzdem bleibt das Gefühl, dass man von den vielen Informationen erschlagen und, wenn man so will, betäubt wird. Nichtsdestotrotz ist Yad Vashem einprägsam, weil es im Gegensatz zu den deutschen Gedenkstätten ganz bewusst nicht bei der Shoa stehenbleibt, sondern, auch und besonders architektonisch, den Blick auf das heilige Land richtet. Am Ende der Ausstellung, nachdem von den verstärkten Auswanderungswellen nach Palästina berichtet wurde, gelangt man an den Rand dieser dreieckigen Röhre, die ihr unten im Bild seht und erblickt einen neubesiedelten Teil Jerusalems. Diese zionistische Ausrichtung ist dem Museum immer wieder anzumerken (zumindest, wenn man darauf hingewiesen wird), wobei das früher deutlich stärker war als heute (ein Beispiel: einer der Anführer des Aufstandes im Warschauer Ghetto von 1943, Marek Edelmann, der eine dezidiert antizionistische Meinung vertrat, fand im alten Museum, das bis 2005 existierte, nicht die geringste Erwähnung). Geführt wurden wir von Tamar Avraham, einer ehemaligen Studienjahrlerin, die zum Judentum konvertiert ist und beinahe 20 Jahre in Jeruslaem lebt und in YV arbeitet.
Das neue Museum (der Teil, den ihr hier auf dem Foto seht) wurde, wie gesagt, 2005 eröffnet. Es gleich in der Aufmachung den deutschen Holocaustausstellungen (weswegen es mit Blick auf das Ausstellungsmaterial nicht viel Neues für mich gab).
Die gelungensten Teile der Ausstellung sind das Kinderdenkmal und die Halle der Namen (man hat bis heute erst 3 Mio. der 6 Mio Namen herausgefunden.
Yad Vashem, auf einem Berg gelegen, ist eines sehr große Anlage. Neben den Ausstellungshallen gibt es ein Denkmal für den Warschauer Aufstand, die "Alle der Gerechten" (für die Menschen, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens, Juden vor dem Tod gerettet haben. Prominentes Beispiel natürlich Oskar Schindler) und ein Felsen Labyrinth, in dessen Wände alle Namen der im II. WK zerstörten jüdischen Gemeinden eingraviert sind.
Ein nachgebildeter Auschwitzwaggon, der symbolisch in den Abgrund hineinfä
hrt.
Eine Gruppe von Soldatinnen (ein Traum in Uniform...), die Yad Vashem besucht.
Ja hier müssen nicht nur die Jungs (für drei Jahre!!!) ran, sondern auch die Mädels - ab sofort plädiere ich für die Frauenwehrpflicht in Deutschland!!!
Anschließend waren wir noch auf dem nebenan (und ganz bewusst höher gelegen) Herzlberg, der an Theodor Herzl, den Gründer der zionistischen Bewegung, erinnert. Dort sind auch ganz viele Grabmäler von gefallenen Soldaten aus den unterschiedlichen israelischen Kriegen. Ein besonders bitteres Denkmal ist erinnert an die Juden, die als einzige ihrer Familie den Holocaust überlebt haben und dann im Krieg 1948 gegen die Palästinenser gefallen sind.
In den nächsten Tagen komme ich wohl kaum zum Schreiben. Morgen sind wir den ganzen Tag unterwegs in der Grabeskirche und in der École Biblique. Samstags stehen wir früh um vier auf und machen eine Exkursion ins Wadi Qelt (irgendso ein ausgetrocknetes Flusstal - Prost Mahlzeit)
bene
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