
Jetzt hat Bruder Simon Petrus unser Internetproblem endlich wieder in den Griff bekommen, so dass ich mich auch wieder zu Wort melden kann.
Auf jeden Fall kann ich voller Freude berichten, dass ich nun endlich mein Bücherpaket vom Zoll abholen konnte (warum es dort gelegen hat, entzieht sich selbst meinen phantasievollsten Vorstellungen. Sie haben jedenfalls nicht lange rumgemeckert, als sie es aufgemacht haben und gleich von meiner zerfledderten Hebräischgrammatik angegrinst wurden ...das Mistding ist also doch zu etwas gut). Das war auch schon mein einziges montägliches Highlight.
Am Dienstag ging es dann wieder mal auf Exkursion. Auf dem Programm standen Bethlehem und dort natürlich zuerst die Geburtskirche. Dieselbe, wohl auch, wie die Grabeskirche, in ihren Ursprüngen aus der byzantinischen Zeit stammend, wurde von Konstantin initiiert, damit er den Aussagen des nizänischen Glaubensbekenntnisses, das Christus geboren, gestorben und auferstanden sei, in drei entsprechenden Sakralbauten Rechnung tragen konnte.
Oben sieht man den Eingang, der nur ca. 1,20m hoch ist. Wer genauer hinschaut, kann in der Mauer noch die Spuren älterer Portale entdecken. In spätrömischer Zeit war der Eingang mal sehr groß gehalten, wurde dann von den Kreuzfahrern verkleinert (zu erkennen an dem spitzbögigen Portal) und in osmanischer Zeit von den Christen, die die Kirche betrieben bis auf die heutige Höhe "runtergemauert". Anlass waren wohl überhebliche Sultane, die meinten sie müssten auf ihren Kamelen sitzend in die Kirche hineinspazieren. Der Eingang, so wie er jetzt existiert, hat also den großen symbolischen Wert, dass sich nun selbst die erhabensten Persönlichkeiten (wie ich z.B. höhö) beim Eintreten in die Geburtskirche in einen demutsvolle Haltung begeben müssen. Drinnen ist sie eher karg eingerichtet, sieht man mal von diesen Ampeln, die die Orthodoxen überall in ihre Kirchen hängen und ein paar Ikonen im hinteren Teil ab. Es gibt auch einige verbliebene Mosaikreste und dann natürlich die Geburtsgrotte zu der man durch eine kleine Tür unterhalb des Altarraums gelangt. Dort kann man dann, wer das braucht, die Stelle berühren, an der wohl die Krippe gestanden sein soll (Die italienischen Pilger, die auch da waren, haben das mit einer solchen Innbrünstigkeit betrieben, dass ich mir dachte: "Super, die machen das gleich für mich mit, da brauch ich mich nicht bücken...").

Hier seht ihr die Außenwand der Geburtskirche. Die kleinen weißen Punkte sind Einschusslöcher. Sie stammen von den Kriegshandlungen während der zweiten Intifada von 2000. Die Israelis haben die Kirche unter Beschuss genommen, weil sich palästinensische Rebellen in ihr verschanzt hatten. Die Franziskaner, die u.a. die Kirche betreiben, haben den Rebellen und einigen Flüchtlingen Kirchenasyl gewährt, so dass die Israelis nichts machen konnten. Nach dreißig Tagen ohne Nahrungszufuhr von außen durften die Flüchtlinge wieder raus. Was mit den Rebellen passiert ist, weiß ich nicht.

Nach dem Besuch der Geburtskirche waren wir in ein evangelisches Kulturzentrum eingeladen, dass dort mit viel Mühe von dem palästinensischen Priester Mitri Raheb aufgebaut worden ist. Abgesehen von zahlreichen kulturellen Angeboten, von denen es ansonsten in Bethlehem nicht viele gibt, werden dort auch junge Palästinenser in den unterschiedlichsten Bereichen, wie Tourismus, Medientechnik und Kunsthandwerk ausgebildet.
Als Abschluss hat uns Prof. Krüger ein Zusammentreffen mit einer palästinensischen Christin, Faten Mutarker (unten links im Bild; gekleidet in palästinensischer Tracht), arrangiert, die uns nicht nur mit palästinensischen Speisen bewirtet hat, sondern auch sehr ausführlich und eindrücklich (auf deutsch (Faten ist in Deutschland groß geworden)) vom Leben in Palästina berichtet hat.Sie hat natürlich über die Wasserprobleme berichtet, die dieses eigentlich sehr fruchtbare Land, westlich des Jordans, immer mehr veröden lassen, aber auch über die missliche Lage an den Checkpoints, wo Palästinenser mitunter als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Sie hat auch über den sich hochschaukelnden Hass und Fanatismus gesprochen, der beiderseits immer wieder Anlass bietet für neue Anschläge bzw. neue Repressalien. Ein breiter Abschnitt ihres Vortrags handelte von der unsäglichen Siedlerbewegung, also der politisch unterstützten Ansiedlung israelischer Siedler mitten in das Westjordanland, also dem Gebiet, dass seit den Osloer Verträgen mitte der 90er (eigentlich schon seit der Uno-Konvention von 47) eindeutig palästinensisches Gebiet ist. Der ganze Irrsinn dieser Bewegung zeigt sich in besonders perfider Weise in Hebron. Umgeben von 160000 palästinensischen Einwohnern wird dort eine jüdische Siedlung für 400 israelische Siedler installiert. Natürlich sind 160000 Palästinenser nicht sonderlich begeistert ob dieser Eindringlinge. So kommt man nicht umhin 400 Siedler von einem 2000 Mann starken Kontingent an Soldaten vor 160000 Palästinensern zu schützen.
Andernorts werden jüdischen Siedlungen durch eigene Zufahrtsstraßen, die nur von Israelis befahren werden dürfen, mit dem israelischen Gebiet verbunden, damit die Siedler in Israel arbeiten und zum Schlafen nach Palästina fahren können...
Trotz allem hat Faten sehr ausgewogen erzählt. Wo es ging, hat sie mit Verständnis von dem jüdischen Staat und mit großem Respekt gegenüber den geschichtlichen Bedingtheiten, die zur israelischen Staatsgründung geführt haben, gesprochen. Mein Eindruck war jedenfalls zum Schluss der, dass wenn es mehr Leute wie Faten Mutarker gäbe, die mit gesundem Menschenverstand und mit Rücksicht auf die andere Seite an die Sache rangehen, wir diesen Konflikt nicht hätten.

Viele sind gespannt darauf, ob von seiten der USA, der Druck auf die israelische Regierung erhöht wird oder nicht. Obama hat zwar den Stopp des Siedlungsbaus gefordert, aber bisher ist noch nichts passiert.
Faten Mutarker hat auf jeden Fall mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass die derzeitig friedlich scheinende Situation (die Abwesenheit von Krieg sollte eigentlich mitnichten schon Frieden genannt werden) nur eine hauchdünne Fassade ist, hinter der ein Pulverfass steht, dass mit jedem Tag, an dem nichts passiert, an Explosionskraft gewinnt....

Hier ein Stück der berüchtigten Mauer, die bisher nur in Teilen steht. Ein Schutzwall?
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