Montag, 19. April 2010

Wieder zurück

So, jetzt bin ich wieder zurück und fühle mich wie aus einem schönen Traum erwacht. Da ich niemanden mit den alltäglichen Banalitäten des Dresdner Studienalltags langweiligen will, erkläre ich mit sofortiger Wirkung diesen Blog für beendet. Es hat mir große Freude bereitet, Euch auf dem Laufenden zu halten und ich bin nach wie vor überrascht über den großen Zuspruch, den dieses Kommunikationsmedium erfahren hat. Allen Lesern vielen Dank. Und wer noch etwas wissen will, kann sich ja melden.
Lehitraot
bene

(übrigens: Wusstet ihr, dass der viel gesungene Gassenhauer "Shalom chaverim" übersetzt einfach nur: "Friede/Hallo Freunde, Auf Wiedersehen!" heißt. Ulkig

Samstag, 3. April 2010

Ostern

Au Backe, sehe ich das richtig? Das letzte mal schrub ich mitte Februar? Und in der Zwischenzeit ist schon wieder so viel passiert.
Da waren wir z.B. in Hebron und haben uns angeschaut, wie 200 sehr überezugte israelische Siedler inmitten einer der größten palästinensischen Städte wohnen. Ein sehr bitteres Kapitel aus dem großen Buch des Fanatismus...
Natürlich standen auch weitere archäologische Exkursionen auf dem Programm, diesmal mit Focus auf die Schefela. Daneben noch ein straffes Vorlesungsprogramm, das aber seit dem letzten Freitag beendet ist, so dass man nun wieder durchatmen kann. Offiziell sind wir jetzt auch in die absolute Freiheit entlassen, d.h. wir dürften auch schon abreisen, wenn wir das wöllten.

Das will ich aber natürlich noch nicht, denn Ostern in Jerusalem muss sein. zur Zeit platzt die Altstadt aus allen Nähten, da unzählige Pilger im Land sind. Dazu kommt, dass dieses Jahr das jüdische Ostern, das lateinische und das orthodoxe Osterfest auf ein und dasselbe Wochenende fallen.

So konnte ich am Gründonnerstag nach dem Gottesdienst, als ich gerade auf dem Weg nach Gethsemane war, noch die etwas putzige Situation erleben, wie auf der Straße, die von der südlichen Altstadt in die Neustadt führt, Scharen von Juden auf der einen Seite, die gerade von einer Pessachfeierlichkeit an der Klagemauer kamen, die vorbeiziehenden christlichen Pilgerhundertschaften auf der anderen Seite beäugten und andersherum.
Ich persönlich halte mich zurück mit Besuchen in der Altstadt, obwohl es etliche spannende Sachen anzusehen gäbe. Besonders die verschiedenen orthodoxen Denominationen haben in den Kartagen interessante Liturgien. Da ich aber als Scholasänger gut eingespannt bin bei den benediktinischen Liturgien, verzichte ich demütig ;-) auf das eifrige Liturgyhopping. Immerhin war ich gestern abend mal in der  Grabeskirche, um mir die sehr volkstümlich Grablegungsprozession der Franziskaner anzuschauen. Da wird dann tatsächlich eine Jesusfigur in der Golgathakapelle vom Kreuz abgenommen, dann auf den Salbstein im Eingangsbereich einbalsamiert und in Leinentücher gelegt, um zum Schluss in der Grabesädikula symbolisch begraben werden. Diese sehr mimetische Art der Frömmigkeit ist beim besten Willen nicht die meine. Aber es gibt ganz viele Menschen, die sich so etwas mit Tränen in den Augen anschauen. Nun ja, "jeder nach seiner Facon", wie der alte Fritz zu sagen pflegte.
Heute  nacht um drei steht eine knapp vierstündige Osternachtsfeier in der Dormitio auf dem Programm - Benediktiner lassen sich Zeit!! - und morgen das Hochamt.

Die Tage nach Ostern werde ich hier ganz gemütlich verbringen und nebenbei ein wenig packen.
Viele von euch seh ich dann in nicht mal mehr einer Woche wieder und dann hab ich hoffentlich viel Gelegenheit zu erzählen und Fragen zu beantworten.
Bis dahin wünsche ich euch eine gesgnete Osterzeit.
Lehitraot
Bene

Sonntag, 14. Februar 2010

Die verlorene Erinnerung des Herrn K.

Ich weiß nicht für wen Nina Simone ihr geniales "Ne me quitte pas" singt. Wenn sie im Studienjahr gewesen wäre, hätte sie dieses Lied aber auf jeden Fall  Galiläa gewidmet. Zumindest dachte ich mir, als wir gestern abend von unserer Kreuzfahrerexkursion zurückkehrten "Geliebtes Galiläa verlass mich doch nicht schon wieder!". Wir haben die letzten Tage wieder ganz viel gesehen. Dieses Mal vor allem architektonische Relikte der Kreuzfahrerzeit, wie.....ähm.........ja.....wie........verdammte Axt. Wo sind wir denn überall gewesen?
Wo hab ich nur mein Gedächtnis gelassen? Ich glaub, ich muss nochmal im Kasetta nachschauen....
Ha, da sehe ich ja gerade einige Erinnerungsfetzen rumliegen: Kreuzfahrerburgen Montfort und Belvoir.... die Zitadellen von Zefad und Akko.... Maimonidesgrab in Tiberias ...die Tells von Meggido und Dor.
Naja, das ist ja schon mal etwas. Ich glaube, ich erspare mir und euch an dieser Stelle die historischen Ausführungen und gehe gleich zu den Bildern über.
Belvoir
Drei Freaks aufm Dach und eine Skulptur eines israelischen Künstlers, die mich an irgendein Reiterstandbild in Dresden erinnert...
Überreste der kfz. Festung Montfort

Der Tora-Schrein einer sephardischen Synagoge in Zefad.

Im Innenhof der Zitadelle von Akko

Für mehr Bilder hats leider nicht gereicht, weil dann die Batterien alle waren. Daher mein Tipp: am besten selber anschauen :-)

So. geh jetzt wieder ins Bett

Razepüh
Bene

Donnerstag, 4. Februar 2010

Heute wird gefeiert. Aber nur hier!

Wer hätte es geglaubt. Wir bekommen sogar den Vormittag frei. Der Tag heute ist so feierlich, dass es für sinnvoll befunden wurde, uns in einem ausgeschlafenen Zustand zur Lehrstuhlinauguration antanzen zu lassen. Vielen Dank. Bitte mehr Lehrstuhlinaugurationen!!

Was ist das überhaupt, eine Lehrstuhlinauguration? Ich habe keine Definition parat, aber hier bedeutet das, dass man unserer lieben Dekanin einen eigenen Lehrstuhl schenkt. Dieser wird den Namen des Begründers des Theologischen Studienjahres tragen: "Laurentius-Klein-Lehrtuhl" (mit diesem Etikett werden sogar eigens 50 neue Kaffeetassen, besser -pötte, versehen und für den hießigen immensen Kaffeeverzehr angeschafft (Fantastisch!!)). Einen Lehrstuhl zu haben ist gut, denn dann ist man Professor und bekommt mehr Geld und hat endlich einen offiziellen Status. Ich möchte auch einen.
Die letzten Tage wurde eifrig Brezeln, Kuchen et al. gebacken, damit Frau Schavan etwas zu essen bekommt. Sie wird sicherlich sehr ausgehungert sein, wenn sie direkt vom Flughafen zur Inaugurationsfeier stürzt.
Das Wetter kann sich noch nicht so richtig entscheiden, welchen Beitrag es dazu leisten soll - mal scheint die Sonne, mal regnet es, mal hagelt es.
Ich jedenfalls freue mich auf Lehrstuhl, Brezeln und Kaffeepötte.

bene

Montag, 25. Januar 2010

Cairo

Marhaba,
Das gibts doch gar nicht! Gestern noch im T-shirt bei den Pyramiden von Gizeh rumgekrabbelt und heute sitze ich schon wieder in Jerusalem am Schreibtisch und friere mir den Hintern ab!
Wie kam's? Letzten Donnerstag stiegen wir (18 Schafe unserer Studienjahrsherde unter Führung von Florian unserm Studienjahrsassistenten, der aufgrund seiner hervorragenden Connections zu Land und Leuten diese Reise hervorragend organisiert hat) in den Flieger, um gegen 23:00 die berühmten nervigen Zettel, die man bei der Einreise nach Ägypten immer auszufüllen hat, mit den wichtigsten Angaben zu Person und Reiseanlass zu bemalen (Immer in Großbuchstaben, damit die ägyptischen Beamten nicht so große Probleme beim Lesen haben).
In dem für unsere Verhätlnisse komfortabel eingerichteten Hotel am Stadtrand Cairos angekommen, gings gleich ab ins Bett, denn der nächste Tag sollte uns mit der ersten geballten Ladung Cairo würdig begrüßen. Auf dem Programm standen das koptische Viertel (die Kopten, eine aus Ägypten stammende christliche Bevölkerungsgruppe und Kirche zumwist orientalisch-orthodoxen Bekenntnisses) mit der Markus- und der Georgskathedrale, einer Synagoge und dem koptischen Museum (in dem u.a. Teile der Papyrus-Funde von Nag Hammadi, mit deren Hilfe man viele Erkenntnisse über die früh"christliche" Strömung, der Gnosis, gewinnen konnte, aber auch viele Exponate zur  Lebensweise und Frömmgikeitspraxis).


Als wir uns einigermaßen weitergebildet fühlten in Belangen der koptischen Kultur, widmeten wir uns der islamischen Kultur. Die große Alabstermoschee/Muhammad-Ali-Moschee, die ein Sultan des 19. Jh.'s in die Zitadelle von Kairo integrierte, war das erste Objekt unserer Begierde.

Dort erhielten wir gleich in den geheiligten Hallen der Moschee eine Einfürung/Wiederholung in islamischer Religion von Hischam, ein Freund/Bekannter von Florian und Resebürobesitzer, der hervorragend, weil er lange Zeit in Tübingen Ägyptologie studiert hat. Hischam, war gleichzeitig derjenige, der den Großteil unseres touristischen Programms in Kairo organisiert hatte.
Den dazugehörigen Vertiefungskurs unter besonderer Berücksichtigung der verschiedenen sunnitischen Strömung erhielten wir in der unweit davon gelegenen Sultan-Hussein- Moschee (für diesen Namen kann ich grad keine Gewähr geben (könnte auch Hassan gewesen sein, jedenfalls ein Sultan, der viel unbedeutendes für Cairo geleistet hatte, und sich deshalb bemüßigt fühlte, sich mit einer tollen Moschee ins Gedächtnis der Muslime Kairos einzugravieren)...ich brauch ein neues Gedächtnis!!!).
Durch die riesigen, staubigen und vollgestopften Staßen Kairos



fuhren wir zu dem Restaurant, dass uns mit einem reichlichen Buffet erwartete und von dessen Dach  aus man die durch eine Lichtshow in Szene gesetzeten Pyramiden Gizehs ankiecken konnte.
Samstag Vormittag: Ägyptisches Museum - der museumspädagogische Supergau, das Vorzeigebeispiel dafür, wie man ein Museum nicht einrichten sollte - vollgestopft bis unters Dach - ein Minimum an hilfreichen Erklärungen. Nichtsdestotrotz die beeindruckendste Sammlung von Exponaten über agyptische Kultur. Natürlich: jede Menge Statuen von Pharaonen und wichtigen Persönlichkeitenaus allen 26 Dynastien, aber für mich interessanter, unzählige Dinge aus dem Alltag der Ägypter. Spiel- und Werkzeug,, mumifizierte Krokodile, Musikinstrumente, Einrichtungsgegenstände, Schmuckstücke, Flip Flops - alles in einer beeindruckenden handwerklichen Meisterschaft, die man kaum für möglich hält, angesichts der Tatsache, dass der Krempel 5000 Jahre alt ist!!!


Am Nachmittag Abstecher nach Memphis, von dem heute kaum noch etwas zu sehen ist, außer einem Sphinx, ein paar alten Steinen und einer kolossalen Statue von Ramses II.


Zum Abschluss die erste Pyramide aus der Nähe: die Stufenpyramide in Sakkara.



Den Abend ließen wir mit einer Dampferfahrt auf dem Nil ausklingen,
mit Bauchtanz, Buffet, chinesischen Touris etc.

Am Sonntag: endlich die Pyramiden von Gizeh, die heute gleich am Stadtrand von Kairo liegen: die größte der drei Pyramiden, die Cheops- (ägyptisch: Khufu-), ist zugleich die älteste sie stammt aus dem 26. Jh. v. Chr. und ist 146 m hoch. Daneben die Chefren-Pyramide: ein wenig jünger und ein wenig kürzer mit 143 m .
Die dritte Pyramide (die sog, kleine bzw. Mykerinospyramide)  besichtigten wir nicht eigens, dafür aber einige Gräber im nahen Umfeld (die wir nur dank der Beziehungen von Dr. Achmed, ein weiterer Freund Florians besichtigen durften, sowie natürlich den Sphinx von Gizeh.


Bevor wir am späten Abend zurückflogen hatten wir noch kurz Gelegenhetit uns im islamischen Viertel der Altstadt umzuschauen.



So viel (eigentlich: so wenig...) mal zu Ägypten
Bis zum nächsten mal
bene

Samstag, 2. Januar 2010

Jordanienreise 27. - 31. 12.



Hurz,
zunächst: Ein frohes neues Jahr.

Sodann komme ich meiner Pflicht nach, ein wenig von meiner Jordanienreise Ende des vergangenen Jahres zu berichten.
Gemeinsam mit meinen Kommilitonen Tobias und Max brach ich am sehr frühen Morgen des 27. Dez. mit dem Bus nach Bet Shean auf, um dort im hohen Norden Israels die Grenze nach Jordanien zu überschreiten. Von dort steuerten wir per Taxi (dekadenterweise haben wir uns die ganze Zeit mit dem Taxi rumkutschieren lassen, weil das in Jordanien so unglaublich billig ist (ein wenig Verhandlungsgeschick natürlich vorausgesetzt)) unseren ersten Ausflugsort Djarasch an. In Djarash befindet sich nämlich die am besten erhaltene römische Stadt außerhalb Italiens. Unter dem Einfluss Pompeius', später Trajans und Traian entwickelte sich Gerasa, wie es unter den Römern hieß, zu einer der wichtigen Metropolen in der Dekapolis, mit allem, was eine römische Stadt damals so brauchte: Hippodrom, zwei Theatern einem großen Cardo (entspricht nach römischem Städtebaudenken immer der Nord-Süd-Achse einer Stadt, die sich im Zentrum mit dem sog. Decomannus, der Ost-West-Achse schneidet), einem Zeus- und einem Artemistempel, Badeanstaltetc. pp. In späterer Zeit gesellten sich einige byzantinische Kirchen und wieder später eine Ummayyaden-Moschee dazu. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde Gerasa ausgebuddelt und nun können sich hunderttausende Besucher problemlos drei und mehr Stunden lang die Hacken wund laufen und kleine Racker, wenn sie alte Steine langweilig finden, mit großer Freude verstecken spielen.

 
 
 

Nachdem unsere Hacken wund gelaufen waren, setzten wir uns wieder ins Taxi und ließen uns nach Amman bringen, um dort festzustellen, dass es in den Hotels der Preisklasse 26 Dinare pro Nacht/Zimmer nur kaltes Wasser gibt und dass Amman recht eigentlich eine hässliche Hauptstadt ist, die außer einer römischen Zitadelle irgendwo auf dem Hügel nur massenweise stinkende Autos und wenig vernünftige Restaurants zu bieten hat. Erwähnenswert ist an dieser Stelle vielleicht noch, dass uns König Abdullah oder sein Vater Hussein (der den Friedensvertrag mit Yitzhak Rabin ausgehandelt hat) alle Nase lang und in den unterschiedlichsten Posen und Monturen freundlich zu lächelten, so als wollten sie uns sagen: Schön, dass ihr da seid und unsere Wirtschaft durch inflationäres Taxifahren und Fallafel essen (20 Pfenge das Stück!!!!) ankurbelt. Weiter so, Jungs!



Nach einer Nacht in einem Hotelzimmer, dass etwas aufdringlich nach Frisch-gestrichen roch, schwangen wir uns wieder ins Taxi und fuhren nach Madaba, der heimlichen Hauptstadt der Mosaiken, wo wir abermillionen Kirchenmosaiken bestaunten, unter denen das sogenannte Palästina-Mosaik das mit Abstand herausragendste (kann mir einer mal sagen, ob man das groß schreiben muss? Ich entschuldige mich übrigens bei allen, die sehr sensibel auf Rechtschreibfehler reagieren, für meine Bequemlichkeit, meinen eigenen Blog immerzu Korrektur zu lesen. Er hätte das sicherlich dringend nötig...) ist, weil es eine ziemlich exakte Darstellung dessen liefert, was man sich im 6. Jh. unter Palästina vorstellte.


Eine Fallafel und eine Taxifahrt später, standen wir auf dem Berg Nebo, dem Berg, von dem Mose aus das verheißene Land erblickte, kurz bevor er endgültig gen Himmel fuhr  (mit dem Taxi? der biblische Bericht gibt leider auch keinen Aufschluss über die Taxipreise, die man damals für eine Himmelfahrt löhnen musste, was sicherlich eine gute Argumentationsgrundlage für Taxipreisverhandlungen kommender Generationen gewesen wäre. Wat solls... zum Nachlesen: Dtn 32, 48 ff.). Oben angekommen hüpfte uns vor Freude das Herz, als wir einer rießigen Wolke gewahr wurden, die das gesamte Jordantal vor den Schnappschüssen unserer hart schuftenden Digiknipsen schützte.


Der nette Taxifahrer, der uns für einen eindeutig überteuerten Preis zum Nebo gebracht hatte, war so freundlich uns an seinenTaxifahrerkumpel aus Petra zu vermitteln. Dieser Taxifahrerkumpel hatte vormittags einen anderen Menschen von Petra nach Madaba gebracht und war so dankbar, dass er die 250 km lange Fahrt zurück nicht allein machen musste, dass er uns für sagenhafte 30 Dinare quer durchs jordanische Niemandsland nach Petra brachte.
Genauer gesagt, nach Wadi Musa, der kleinen Stadt, die unmittelbar an das sagenhafte Petra angrenzt, dass dem gebildeten Fernsehschauer aus Indiana Jones Teil 3 hinlänglich bekannt sein müsste. Am nächsten Morgen gingen wir zu Fuß dem Höhepunkt unserer Reise entgegen: jener zweitausend alten Felsstadt, die die Nabbatäer (vermutlich ein Kultur- und Handelsvolk aus dem arabischen Hinterland kommend) mit viel Geduld und handwerklichem Geschick in die faszinierende Felslandschaft des Ostjordanlandes hineingemeißelt hatten. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind fast alles Grablegen für nabbatäische Könige. Aber natürlich gab es auch in Petra, Tempel, Amphitheater (für 8000 Zuschauer), Cardo, Triumphbögen, byzantinische Basiliken und den ganzen Krempel, den man damals halt so brauchte, um sich wie ein glücklicher Großstädter fühlen zu können. Hier ein paar kleine Eindrücke, die kaum einen adäquaten Eindruck von diesem Weltwunder vermitteln können.

In der Schlucht (arab. Siq) läuft man eine halbe Stunde,
bevor man auf dieses Bild stößt:

 
Al Khazne Faraun (Schatzkammer der Pharaonen - so der Beduinenname,
der allerdings nicht ganz exakt ist, weil es hier nie Pharaonen gab) aus dem 1. Jh. v. Chr. Grabmonument eines berühmtern nabbatäischen Königs


Am anderen Ende des etwa 4m² großen Areales von Petra befindet sich dieses eindrucksvolle Grabmonument:

Ad Deir - Sowohl Grab, als auch Tempel,  als auch berühmter Pilgerort. In byzantinischer Zeit wohl auch als Kirche in Gebrauch


Blick auf die sog. Königswand mit vielen prominenten Königsgräbern


Das Amphitheater von Petra, das komplett in den Fels hinein gehauen wurde


Die fälschlicherweise als Cardo bezeichnete Säulenstraße. Mit Blick auf die Königswand.

Der Ausgang des Siqs und die Königswand von oben.


So schön kann es im Innern einer Grablege aussehen, muss es aber nicht. Oftmals ist das Innere der Gräber nur ein öder viereckiger Raum. Man beachte die unterschiedlichen Farbschattierungen für die die Felsen in Petra berühmt sind.


Am zweiten Tag zwängten wir uns durch diese enge Schlucht, um uns als letztes ein niedliches Nymphäum anzuschauen:



...bei Bedarf kann ich auch gerne noch mehr Bilder von Petra reinstellen. Das war jetzt nur eine Minimalauswahl...


Nach anderthalb Tagen Petramarathon ging es für die letzte Nacht nach Aqaba ans rote Meer, wo wir bei angenehmen 20 Grad die Reise mit Bier, Meer und Skat ausklingen ließen.
Als wir am nächsten Tag zum späten Nachmittag wieder im Beit Josef eintrafen, fühlte sich der Gefrierraum eigens bemüßigt, uns durch einen Schwelbrand, der die gesamte Hütte zuräucherte, klar zu machen, dass auch das Beit Josef am letzten Tag des Jahres noch für Überraschungen gut ist. (Danke lieber Gefrierraum, das wäre nicht nötig gewesen...Penner...wegen dir konnte ich mich nicht nochmal Stunden aufs Ohr hauen...). Naja und dann haben wir, die Wiederangekommenen, und die Daheimgebliebenen, zuerst den Pizzamann mit einem Großauftrag glücklich gemacht und dann mit Bruder Nikodemus und dem Abt ins neue Jahr reingebetet.
Te Deum Laudamus
Amen


Donnerstag, 24. Dezember 2009

Nur an diejenigen, die zu Weihnachten nichts besseres zu tun haben als Blog zu lesen!!

Um ehrlich zu sein, ich bin kein begeisterter Blogschreiber. Blogschreiben ist Arbeit und Arbeit macht Mühe und Mühe ist der Bruder von Herrn Garstig, den ich nicht mag! Lediglich das Gerücht, dass es in diesem Kosmos Menschen gibt, die freiwillig diese belanglosen Zeilen lesen, kitztelt meine eitle Seele und veranlasst mich infolgedessen dazu, wider alle Vernunft, Blog zu schreiben.
Dieser Blog hat aber einen großen Vorteil:  man kann mit seiner Hilfe dezente Weihnachtsgrüße verschicken. Ich brauche also niemandem mit sehr niveauvollen und geistig gehaltvollen Massenmails auf die Ketten zu gehen, die man ja in dem ganzen Trubel eh nicht wirklich ernsthaft zur Kenntnis nimmt. Ich kann zudem  immer darauf verweisen, dass wer diesen Blog-Eintrag liest, dies aus freien Stücken tut und damit selber Verantwortung dafür trägt, wenn er seine Zeit verschwendet....
Wieder einmal ertappe ich mich dabei, wie ich in grenzenloser Eitelkeit (die, wenn sie sich ein passendes Gewand aussuchen müsste, zweifelsohne den Papst fragen würde, ob er ihr eines seiner ulkigen Weihnachtsornate ausborgen kann, damit sie sich so extravagant geben kann, wie nur irgend möglich) unzählige Buchstabenzeichen dafür verschwende, um eigentlich nichts zu sagen. Also zur Sache:
Wenn ich euch eines wünschen möchte, dann ist es ein Weihnachten, so unaufdringlich, wie man es nur hier in Israel erleben kann. Es würde mir beim Laufen durch die Stadt überhaupt nicht schwer fallen, glatt zu vergessen, dass heute Weihnachten ist. Nirgendwo Striezelmarktgedudel, kein Glühweingeruch, keine blinkenden Weihnachtsmänner, kein Schnee,  keine elektrischen Lichtgirlanden, keine...Grübel...
Bei Licht betrachtet, muss ich mir ein Armutszeugnis ausstellen, wenn es mit mir schon so weit ist, dass ich Weihnachten an all diesen belanglosen Dingen festmache. Vielleicht liegt es einfach im Kern dessen, was all die vielen Leute, die den Weihnachtsmann für einen beknackten, vermutlich immer nur Cola mit Schuss saufenden alten Mann im roten Anzug halten, da feiern: Gott kommt in einem Stall auf die Welt. Ins Heute übertragen: Vielleicht in irgendeiner der zahlreichen abgeranzten Autowerkstätten, die man in den arabischen Vierteln Ostjerusalems zuhauf sieht -  wahrscheinlich aber noch erbärmlicher. Auf jeden Fall so unglaublich unaufdringlich, dass es nicht schwerfällt daran vorbei zu laufen und stattdessen sich über blinkende Lichterketten aufzuregen, die einem nach dem Genuss von übermäßig viel Glühwein nur Kopfschmerzen bereiten.
So unersichtlich, dass man wahrscheinlich angesichts der vielen Weihrauchschwaden, die ihm zu Ehren in den Äther geschleudert werden, eher gegen die nächste Wand läuft und sich eine Beule holt, anstatt ihn zu erkennen.
So erbärmlich und nichtig, dass man lieber darüber schweigen möchte, anstatt davon mit Stolz geschwellter Brust zu erzählen.
So unvernünftig, dass er immer wieder dem Fliegenglas unserer sagenhaften Intelligenz entschlüpft.
So uneitel, dass man am liebsten keinen Blog darüber schreiben möchte.

Wer kann sich mit diesem Kind ernsthaft verbunden fühlen?
Die Kinder, die heute Abend eine potthässliche, billige Barbie vom Chinesen in der Hand halten? Der Hartzi, der sich seinen Frust über die überall grasierende Heimeligkeit mit einer Tiefkühlpizza und einem Sterni runterspült? Ich, weil ich menschlich, allzu menschlich bin? Wie er?
Wie er? Er hatte die Größe, sich mit dem ganzen "armseligen Gesindel" an einen Tisch zu setzen und sich miteinander über Sterni, Tiefkühlpizza und Chinesenbarbie zu freuen.

Gesegnete und unaufdringliche Weihnachten wünsche ich euch hier auf dem Zion sitzend und mich darüber wundernd, dass ich seine vielbesungene Tochter immer noch nicht zu Gesicht bekommen habe ;-)



Euer Bene (der jetzt hier mit zweitem Namen Mario heißt)